WOFÜR WIR STEHEN


Alttextilien: Erfassung und Verwertung in Deutschland
Von einem geschätzten Potenzial von mehr als 1,35 Mio. Tonnen werden jährlich etwa 1 Mio. Tonnen Alttextilien erfasst und einer Wiederverwendung und Verwertung zugeführt.¹
Bereits seit den 50er Jahren werden Textilien durch karitative Einrichtungen gesammelt, um den einheimischen und weltweiten Bedarf nach gut erhaltener, gebrauchter Kleidung zu decken. Zu den frühen Formen der klassischen Haus- und Straßensammlung etablierte sich in den 80er Jahren ein flächendeckendes, stationäres Containersammelsystem. Durch Inkrafttreten des Kreislaufwirtschaftsgesetzes und die Deklaration von Alttextilien als Abfall, haben sich seit Mitte 2012 die Rahmenbedingungen und Marktstrukturen deutlich verändert.
  • Durch neue Marktteilnehmer wurde ein künstlicher Markt geschaffen, der dazu führt, dass die Sammelmengen nicht nur einer ordnungsgemäßen Verwertung zugeführt wurden, sondern nach Best-Price-Optionen verstärkt als Handelsgut dienten.
  •  Öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger partizipieren zunehmend an diesem Markt, wodurch Erfassung, Sortierung und Verwertung verstärkt öffentlich ausgeschrieben werden.
  •  Es wurden teilweise alternative Sammelsysteme etabliert, die eine Wiederverwendung und hochwertige Verwertung behindern.
Neben der immensen Anzahl von illegalen Sammlern, führen diese Faktoren zur Warenverknappung in der inländischen Verwertungspraxis von Fachbetrieben.

Die Folgen
In öffentlichen Ausschreibungsverfahren wird i. d. R. auf pauschal geltende, übergeordnete abfallrechtliche Rahmenbedingungen verwiesen. Darin fehlt jedoch oftmals die fachliche Grundlage, um qualitative Anforderungen an die Verwertung von Alttextilien aufzunehmen. Dabei bedarf der Umgang mit Alttextilien einer besonderen Sorgfalt.
Der Status quo von Ausschreibungsverfahren stellt sich wie folgt dar:
  • Der Preis ist vielfach das einzige Kriterium, welches über den Zuschlag entscheidet. Dies führt dazu, dass Unternehmen mit „grenzwertigen“ Erfassungs- und Verwertungspraktiken der Markteintritt ermöglicht wird und
  • aufwändige (inländische) Sortierprozesse, die maßgeblich zur Wertschöpfung in der Alttextilkette beitragen, an Wettbewerbsfähigkeit verlieren.
Folglich kann eine hochwertige Sortierung / Verwertung der Alttextilien nicht mehr gewährleistet werden.


Unsere Ziele



Einheitliche Leitlinien für nachhaltiges Textilrecycling
Die nachhaltige Nutzung von Textilien und die damit verbundene hochwertige Erfassung, Sortierung und Verwertung von Alttextilien müssen durch qualitative Anforderungen gesichert werden. Einheitliche Leitlinien dienen Entscheidungsträgern und Marktteilnehmern als Leitfaden und fachliche Grundlage.

Effekte der Leitlinien
  •  Konkretisierung und Vereinheitlichung von Ausschreibungsverfahren (mit Aufnahme von qualitativen Anforderungen an die Erfassung und Verwertung von Alttextilien).
  •  Transparenz der Mengenströme (vom Ort der Erfassung bis hin zum Verbleib).
  •  Rechtssicherheit bei Ausschreibungsverfahren.
  •  Vereinheitlichung des Vollzuges und Handlungshilfe für Prüfung.
  •  Förderung von seriösen Sammlern, Sortierern und Verwertern.

Ziele der Leitlinien sind

  •  den Markt nicht zu behindern, sondern für besseren Wettbewerb zu sorgen.
  •  der gesetzlich geforderten 5-stufigen Abfallhierarchie gerecht zu werden.
  •  von allen Entscheidungsträgern im Markt und im Vollzug akzeptiert und mitgetragen zu werden.
Für die GftZ ist die Hautaufgabe, diese Ansätze im Dialog mit allen Beteiligten inhaltlich weiterzuentwickeln und zu konkretisieren. Die Gemeinschaft ist offen für den Dialog mit interessierten Akteuren zu sämtlichen Fragen einer nachhaltigen textilen Zukunft. Ihre Tätigkeiten und Inhalte wird die Gemeinschaft gegenüber der Politik und Institutionen vertreten und durch Öffentlichkeitsarbeit präsentieren.


Quellen:
¹ Korolkow, J.: Konsum, Bedarf und Wiederverwendung von Bekleidung und Textilien in Deutschland – Studie im Auftrag des bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e. V., Institut für Aufbereitung und Recycling der RWTH Aachen: 60 S., Aachen 2015